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Die Familie Crespi

 
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Cristoforo Benigno Crespi
Der älteste Sohn von Antonio, Cristoforo Benigno Crespi, wurde 1833 in Mailand geboren und half seinem Vater in dessen Gewerbe sowie im Handel mit gefärbten Geweben (daher der Übernahme „tengit" (dialektal für Färber, Anm. d. Ü. für die Familie). Er studierte bei den Padri Rosminiani und heiratete Pia Travelli, deren Familie für ihre patriotischen Traditionen ebenso bekannt war wie für die tüchtigen und ehrbaren Kommunalpolitiker, die sie in Busto Arsizio hervorbrachte. Er hatte fünf Kinder: Silvio, Bice, Maria und Daniele, das fünfte, Guido, starb noch als Kind.
Nachdem er in der Baumwollweberei des Grafen Francesco Turati ( einer der wichtigsten Pioniere der italienischen Textilindustrie) gearbeitet hatte, machte er sich selbständig und gründete die Fabriken in Vaprio d’Adda (1864), Vigevano (1867) und Ghemme (1870).
1877 gründete er darüber hinaus Fabrik und Dorf in Crespi d’Adda. Zu Beginn besass das Werk in Crespi nur eine Spinnerei: In der Folgezeit wurde diese ausgebaut und um eine Weberei (1894) und Färberei (1899) ergänzt.
Das Dorf, das seinen Namen trug, wurde mit zahlreichen Einrichtungen sozialer oder philantropischer Art ausgestattet: Ambulanz, Krankenhaus, Schule usw. 1879 erhielten Dorf und Fabrik elektrische Beleuchtung, was eine der ersten bemerkenswerten Anlagen war.
1882 errichtete er die erste Kämmerei für ägyptische Baumwolle. 1890 wurde das Werk über die erste Telefonfernleitung mit Mailand verbunden. 1895 führte er in Crespi die Mercerisieurng von Geweben mit dem Patent Thomas Prevost ein (das er vom ältesten Sohn Silvio in England erworben hatte); diese Gewebe wurden dann an der Weltausstellung in Paris 1906 ausgezeichnet.
Zusammen mit seinem Sohn Sivlio begann er 1904 auch mit den Arbeiten zum Bau des Wasserkraftwerks von Trezzo am Adda, dem heutigen Kraftwerk Taccani, mit einer Leistung von 12 000 PS.

Auch seine Ehefrau Pia Travelli unterstützte ihren Mann bei den diversen von diesem in Mailand und in Capriate geförderten Wohlfahrtseinrichtungen, die 1906 von der Königin Margherita besucht wurden.

Cristoforo Benigno starb in Mailand am 5. Januar 1920.
Silvio Benigno Crespi
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Silvio Benigno Crespi wurde am 24. September 1868 in Mailand geboren. Nachdem er Gymnasium und Lyceum am Institut Cesarie Beccaria in Mailand (damals S. Alessandro genannt) besucht hatte, studierte er an der Universität Pavia, wo er im Alter von 20 Jahren mit der Bestnote abschloss.

Er begab sich dann nach Frankreich, Deutschland und England, um die Entwicklung der Manufakturen und der Industrie (vor allem im Bereich Maschinen und Textil) zu studieren und arbeitete zuerst in Köln (Deutschland), dann in Oldham (England) bei der Firma Platt¬Brothers (berühmte Textilmaschinenfabrik) und schliesslich bei einer Londoner Bank.

Mit perfekten Sprachkenntnissen in Französisch, Englisch und Deutsch trat er im Jahre 1889 in die väterliche Fabrik ein und übernahm dort die Gesamtprokura.

1898 erwarb er die Patente Thomas Prevost für die Mercerisierung von Geweben, was ihm den Grossen Preis auf der Weltausstellung von Paris 1906 einbrachte, und gründete die Färberei (die er seinem Bruder Daniele übertrug).

Als Sekretär der Vereinigung für Handel, Landwirtschaft und Industrie von Mailand und seit 1890 als erster Präsident der Vereinigung der Baumwollproduzenten unterstützte er den Zollkrieg gegen die Schweiz und veröffentlichte eine Studie über die Mittel zur Verhütung von Arbeitsunfällen und über die Sozialfiirsorge der Industrie.

Nachdem er ab 1906 als Mitglied des leitenden Rates für Industrie und Handel die Leitung der Industrie alleine innehatte, engagierte er sich im Kampf für die Abschaffung der Nachtarbeit in den Fabriken.

Als auch mit Unterstützung der Katholiken (er selbst war liberaler Katholik) gewählter Abgeordneter des italienischen Parlaments für den Wahlkreis Caprino Bergamasco entfaltete er intensive parlamentarische Aktivitäten zugunsten von Industrie und Handel, beteiligte sich rege an der Arbeit der Kommissionen und hielt viele wichtige Reden vor der Abgeordnetenkammer, unter anderem über die Kanalisierung der Gewässer, das allgemeine Recht auf wöchentliche Sonntagsruhe, über die Verkürzung der Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden und die Kontrolle der Beschäftigung von Kindern und Schwangeren.

Als Untersekretär für Lebensmittelzuteilung in den Jahren des Ersten Weltkrieges 1915 - 1918, setzte er sich in jeder erdenklichen Weise dafür ein, dass die Soldaten an der Front mit Nahrungsmitteln und die heimische Bevölkerung mit dem Nötigen zum Lebensunterhalt versorgt wurden.

Als bevollmächtigter Minister unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er unermüd¬lich für einen gerechten und dauerhaften Frieden zwischen den ehemaligen Kriegsmächten und war Mitunterzeichner der berühmten Verträge von Versailles und Saint Germain.

Er war Präsident der Banca Commerciale Italiana und der Società Ernesto Breda, seit 1913 Senator des Königreiches Italien und Präsident des italienischen Automobilclubs. Er war Vorstand vieler Wasserkraftwerke und erhielt das Patent für die Konstruktion eines von ihm erfundenen und gebauten Rundwebstuhls. Zusammen mit dem Senator Puricelli und mit Arturo Mercanti förderte er gegen starke Widerstände die Autorennbahn von Monza und die „Società per l’Autostrada die Laghi“ (1927).

Er studierte und baute schliesslich auch Transportbehälter für die Eisenbahn - später unter dem Namen „Container“ bekannt - und errichtete in Mailand eine kleine Fabrik zur Sterilisierung von Milch.

Stets liebte er Busto Arsizio, die Heimat seiner Vorfahren, und starb am 15. Januar 1944 in Codrago (Como). Er wurde in Crespi d` Adda begraben, an der Seite seiner Arbeiter, seiner Eltern und seiner Gemahlin, Teresa Gighlieri, die am 9. September 1944 gestorben war.

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